Das Internet der Dinge (IoT), Fluch oder Segen?

Internet der Dinge (Quelle: Fotolia – Julien Eichinger)

Das Internet der Dinge (auch englisch: Internet of Things) ist die Vision von einem „intelligenten“ Netzwerk von Dingen, in dem Geräte Informationen untereinander austauschen. Das soll ohne direkte Intervention von Menschen geschehen. Der Computer an sich steht nicht mehr im Mittelpunkt, stattdessen werden Mini-Computer in Alltagsgegenstände eingebaut, um den Mensch zu unterstützen ohne überhaupt aufzufallen.

Schöpfer des Begriffs „Internet der Dinge“ ist Kevin Ashton. Während seiner Tätigkeit bei Procter & Gamble wollte er im Jahre 1999 mittels der Funktechnik RFID die Lieferkette des Konzerns optimieren. Um seine Vorgesetzten für die Idee zu gewinnen, gab er sich viel Mühe, einen passenden Titel für seinen Präsentation zu finden. Hierbei kam der Begriff „Internet der Dinge“ heraus.

Was kann das Internet der Dinge?

Konkret kann man sich das so vorstellen: Ein Hundehalsband welches nicht nur GPS-Daten liefert um mit dem Smartphone nachzusehen, wo sich der Hund gerade aufhält, sondern eines, das auch biometrische Daten ausgibt. Somit kann man jederzeit prüfen, wie es dem lieben Vierbeiner gerade geht, ob er hungrig ist, gar krank oder einfach nur schläft. Das lässt sich auch auf den Menschen übertragen.

Mit Google Glasses und Smart Watches sind die sogenannten „Wearables“ bereits verfügbar und haben auch die Fähigkeit, biometrische Daten, wie z. B. den Puls des Menschen, zu erheben. Dabei beschränken sich die Hersteller nicht nur auf Brillen und Uhren. Es eignet sich alles, was der Mensch am Körper trägt, allem voran: Kleidung. Es gibt bereits Fitness-Shirts, die biometrische Daten der Träger zur Trainingsauswertung an eine App oder den Computer senden.

Massenmarkt soll erschlossen werden

Doch was zuerst als Spielzeug für Nerds und Fitness-Freaks anmutet, soll nun auch die breite Masse erreichen. Praktisch stelle ich mir den vielzitierten Kühlschrank vor, der mich erinnert, wenn Milch oder Eier zur Neige gehen, oder – besser noch – die Produkte gleich nachbestellt. Bisher mangelt es noch an der Infrastruktur hierfür. Doch es gibt genügend Ideen und Konzepte für „Smart Homes“ oder auch vernetzte Autos mit Infotainment-Systemen.

Vernetzte Wohnungen können es alten Menschen ermöglichen, länger in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Mit Hilfe einer Pillendose beispielsweise, die Patienten an die Einnahme der Tabletten erinnert und zudem den Arzt informiert, wenn die Arznei ausgeht. Oder die Smart Watch, die den Notdienst ruft, sobald die biometrischen Daten des Patienten auffällig sind. Ebenso die intelligente Dusche, welche merkt, wenn ein Mensch darin gestürzt ist und einen Notruf absetzt.

Vernetzung ist im Gange

Internet of Things – By Wilgengebroed on Flickr [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Die zunehmende Vernetzung macht bereits jetzt schon vieles möglich: Heizungen, die man über das Internet aus der Ferne steuern kann und vernetzte Stromzähler. Als erfolgreichstes Beispiel ist hier Carsharing zu nennen. Doch eine solche Entwicklung hat nicht nur positive Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft.

Arbeitsplätze fallen weg

Auf dem Arbeitsmarkt wird sich dies auch auswirken. Wenn man die Lebensmittel bequem nach Hause geliefert bekommt (vielleicht sogar von einer Drohne), muss der nette Gemüseverkäufer nebenan vielleicht seinen Laden schließen. Ein weiterere negativer Effekt ist, dass dadurch die soziale Interaktion der Menschen untereinander abnimmt.

Auch auf der CeBit 2015 war die fortschreitende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft im Mittelpunkt. Unternehmen haben noch mehr Möglichkeiten, die Arbeitsabläufe zu optimieren und zu automatisieren. Durch feinere Sensoren in Robotern ist es möglich, dass diese Hand in Hand mit Menschen arbeiten. Kommt der Mensch dem Roboter zu nahe, stoppt dieser sofort. Da dürfte jedem klar sein, das zunehmend Menschen durch Roboter ersetzt werden. Diese sind nie krank und brauchen keinen Schlaf oder Urlaub.

Der gläserne Mensch

Sobald Daten erhoben sind, können diese auch ausgewertet (und schlimmstenfalls missbraucht) werden. Nicht umsonst haben Hersteller großes Interesse, ihre Produkte „smart“ zu machen. Hier kann man vieles über Verhalten und Gewohnheiten des Konsumenten herausfinden und diesen gezielter bewerben.

Die biometrischen Daten, die gesammelt werden, können leicht negativ ausgelegt werden. Der Kühlschrank weiß, dass man gerne viel Bier trinkt und die Smart Watch verrät, wie viel (oder wenig) Bewegung man hat und wie oft man bei der Lieblings-Fastfood-Kette war. In Augen mancher Krankenkasse vielleicht zu oft. Das könnte soweit kommen, dass man nicht mehr versichert wird, oder den Schutz verliert. Vom Bonusprogramm zum Malus-System. Mit etwas Fantasie fallen einem sicher noch schlimmere Szenarios ein.

Fazit

Auf den Ersten Blick mutet das „Internet der Dinge (IoT)“ wie eine gute Möglichkeit an, sich weniger mit Nebensächlichkeiten und Organisatorischem beschäftigen zu müssen. Abläufe werden optimiert, somit bleibt mehr Zeit für Dinge, die einem wichtig sind. Als Privatperson gelangt man überall und schnell an Informationen und Unternehmer hoffen auf ein Wirtschaftswunder 4.0.

Doch muss man auch die gesellschaftlichen Auswirkungen im Blick haben. Dauernde Überwachung führt zum gläsernen Menschen. Da kann das Streben nach Gewinnmaximierung und Effizienz durchaus die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen in den Hintergrund treten lassen. Zudem macht man sich immer mehr abhängig von Geräten und Maschinen – und damit von Unternehmen.

Doch bisher fehlt die Infrastruktur für die totale Vernetzung und man weiß nicht, ob das jemals so umgesetzt wird. Denn nur weil es technisch machbar ist, heißt das nicht, dass es auch so von den Konsumenten angenommen wird. Gerade wenn diese Innovationen sehr teuer sind, dauert es lange, bis diese am Massenmarkt ankommen – wenn überhaupt.

Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, welche Daten er von sich erheben lassen will und zu welchem Preis, sofern man überhaupt die nötigen Informationen hierfür erhält. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass man nicht immer erfährt, was genau die Unternehmen erfassen und wie diese Daten verwendet werden.