Farbwirkung bei Websites: Kulturelle Unterschiede beachten

Die Macht der Farben erfolgreich für Websites nutzen

Wie Farben auf den Menschen wirken, wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. In Teil eins der dreiteiligen Artikelserie über die Farbwirkung bei Websites habe ich den Einfluss von Geschlecht und Alter beleuchtet und die Farbvorlieben der Deutschen vorgestellt. Im zweiten Teil gehe ich darauf ein, wie Farben in anderen Kulturen empfunden werden. Durch unterschiedliche soziale und religiöse Prägungen lösen bestimmte Farben andere Emotionen aus.

Andere Länder, andere Sitten: Kulturelle Unterschiede sollten im Webdesign Beachtung finden (https://unsplash.com/, Jason Ortego)

Falls man überwiegend Kunden aus dem Ausland hat oder neue Märkte erschließen möchte, sollten eventuell vorhandene Vorlieben oder Abneigungen bei der Farbauswahl der eigenen Website beachtet werden. Sonst kann es passieren, dass man unbeabsichtigt irreführende Signale aussendet, das kann den Erfolg der eigenen Website schmälern.

Schwarz z. B. wird bei uns als Farbe der Trauer und des Todes angesehen, steht aber auch für Eleganz. In Afrika hingegen steht Schwarz für Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein und ist daher sehr positiv besetzt. Weiß gilt bei uns als reine und unschuldige Farbe. In Asien ist Weiß die Trauerfarbe.

Wahrnehmungsunterschiede in anderen Kulturen

Nicht nur die Farben, sondern auch generell die Wahrnehmung von Online-Informationen unterscheidet sich: Im Westen werden den Website-Besuchern nur die wichtigsten Informationen in leicht verdaulicher Häppchenform angeboten. Der Besucher erhält konkrete Anweisungen und wird gezielt durch die Website geleitet.

In Asien hingegen ist eine derart direkte Kommunikation unpassend, hier werden Sachverhalte eher umschrieben. Besucher aus diesem Kulturkreis erwarten reichhaltige und ungefilterte Informationen auf Websites. Sie wählen sich dann selbstständig das für sie Wichtige aus.

Daher kann eine westliche Website für einen Asiaten viel zu nüchtern und leer wirken, wohingegen asiatische Websites von uns als völlig überladen und unstrukturiert empfunden werden. Das liegt auch an der oftmals viel farbigeren Gestaltung asiatischer Websites. Das zeigt eindrucksvoll ein Vergleich der Website vom Musikhaus Thomann http://www.thomann.de/ und der Entsprechung Ishibashi Music http://www.ishibashi.co.jp/ aus Japan.

Asiaten möchten emotional angesprochen werden

Nüchterne Farbgebung wird im Westen mit Zuverlässigkeit und Pflichtbewusstsein gleichgesetzt. In Asien hingegen werden mehr Emotionen transportiert, das wird mit vielen Farben und einer gewissen Verniedlichung erreicht. In Japan gehört zu fast jedem Produkt eine putzige Figur oder ein Maskottchen, diese sollen Geborgenheit ausstrahlen. Dieser Trend hält auch im Webdesign Einzug. Beliebt ist auch der Einsatz von Animationen und Soundeffekten. Ein gutes Beispiel hierfür ist diese japanische Umweltschutz-Website: http://www.ecodazoo.com/. Sie ist mit Flash animiert und enthält Sound. Niedliche Tierfiguren dürfen ebenfalls nicht fehlen. (Quelle: der Freitag, Die Irritation bei asiatischem Webdesign)

Fazit:

Dennoch sollte man es nicht übertreiben, nicht alle Japaner stehen auf putzige Tierfiguren. Kunden mit anderer Kultur sind nicht stereotyp, sondern eine weitere Zielgruppe. Gestaltung und Informationsdichte sollten zu deren Bedürfnisse und zum Produkt oder der Dienstleistung passen.

Am ehesten trifft man den Nerv mit der Farbwahl, wenn man sich mit den eigenen Kunden und deren Vorlieben genau auseinandersetzt. Sofern man keine angepasste Website für Kunden mit anderem kulturellem Hintergrund einrichten möchte, bietet es sich an, neutrale Farben zu wählen.

Informationen darüber, welchen Einfluss Geschlecht und Alter auf Farbvorlieben haben, gibt es im ersten Teil meiner Artikelserie über die Farbwirkung bei Websites. Im dritten und letzten Teil geht es um Branchengepflogenheiten, die Wirkung der einzelnen Farben und neun Farbschemen für (nahezu) jede Branche.