QR-Code: Brücke zwischen Print und Web

Auch wenn der QR-Code für manche schon wieder ein alter Hut ist, bietet er viele kreative Möglichkeiten. Die Anwendung ist denkbar einfach: Den auf einem Flyer, einer Werbetafel oder allen erdenklichen bedruckbaren Materialien gefundenen Code scannt man mit einer QR-Code-App ab und gelangt so an die hinterlegten Daten.

Bildquelle: Marvin Hegen

Der naheliegendste Anwendungsfall ist wohl, Kunden von einem Printmedium leichter ins Web zu locken, da das lästige Eintippen der URL entfällt. Doch auch andere Daten können codiert werden und sind so gleich auf dem mobilen Endgerät verfügbar. Welche Daten das sind und wie einfach das geht erkläre ich in folgendem Artikel. Am Schluss gibts sieben Tipps fürs Gelingen der nächsten Werbeaktion mit QR-Code.

QR-Code eigentlich für Automobilindustrie entwickelt

Bereits im Jahre 1994 entwickelte die japanische Firma Denso Wave den QR-Code für Toyota – eigentlich zur Markierung von Baugruppen und Komponenten des Automobilherstellers gedacht. Da der Code lizenz- und kostenfrei verwendet werden darf, wurde er schnell abgewandelt und verbreitete sich rasch in Japan. Dort ziert er fast jedes Werbeplakat und wird auch von der Regierung verwendet. Japanische Aufenthaltsgenehmigungen beispielsweise erhalten einen QR-Code mit verschlüsselten Daten. Seit 2007 verbreitet er sich auch immer mehr in Europa, nicht nur in der Werbung, sondern auch zur Fahrplanauskunft oder um online weitere Informationen zu einem bestimmten Thema bereitzustellen.

Hier folgt eine Auflistung der gängisten Anwendungsfälle:

  • URL: Nach dem Abscannen wird eine bestimmte URL aufgerufen
  • VCard: So lassen sich Kontaktdaten leicht auf dem Smartphone abspeichern
  • Text: Man kann auch einen einfachen Text anzeigen lassen
  • E-Mail: Eine E-Mail mit vorgefertigtem Text lässt sich versenden
  • SMS: Eine SMS mit vorgefertigtem Text lässt sich versenden
  • App-Download: Man wird zum Appstore weitergeleitet um eine bestimmte App herunterzuladen
  • WLAN oder Geodaten: Zugriff auf WLAN-Zugangsdaten oder Geodaten wird gewährt
  • PDF: Es wird eine PDF-Datei geöffnet
  • MP3: Eine mp3-Datei wird abgespielt

Einfach zu erstellen mit Generatoren

Einen QR-Code zu erstellen ist einfach: Im Internet gibt es zahlreiche Generatoren. Diese wandeln den eingegebenen Text oder URL in eine Grafik um, die dann heruntergeladen werden kann. Gibt man bei Google „qr code“ ein, kommen sofort genügend Vorschläge für Generatoren. Dabei muss man sich nicht auf einen normalen QR-Code beschränken, denn mittlerweile gibt es verschiedene Weiterentwicklungen:

Design- oder Custom-QR-Codes

Da ein QR-Code sehr robust ist, können (je nach Fehlerkorrektur-Level) 30% des gesamten Codes überlagert werden, ohne dass dieser unbrauchbar wird. Das bietet Möglichkeiten, den eigenen QR-Code zu individualisieren und beispielsweise das eigene Logo oder ein Social-Media-Icon in der Mitte einzubauen. Auch eine farbliche Anpassung ist möglich, doch hierbei muss darauf geachtet werden, dass der Kontrast erhalten bleibt. Hierbei sollte der Code immer die dunkle Farbe haben und der Hintergrund die helle. Der Code insgesamt darf nicht kleiner als 2×2 cm sein, um ältere Smartphones nicht auszuschließen.

Dynamischer QR-Code

Im Gegensatz zu einem „normalen“ QR-Code, können die Informationen, die in einem dynamischen QR-Code hinterlegt sind, nachträglich noch angepasst werden. Sehr hilfreich ist das, wenn erst nach dem Druck eines Printmediums bemerkt wird, dass sich ein Tippfehler in der URL eingeschlichen hat. Aber auch wenn man den Code auf andere Inhalte zeigen lassen möchte, ist so noch eine nachträgliche Änderung möglich. Hierfür muss man bei einem entsprechenden Anbieter allerdings ein Benutzerkonto einrichten. Doch das macht es gleichzeitig auch möglich, die Zugriffe auf den Code zu messen. Mit einem dynamischen QR-Code kann man, ähnlich wie bei Tracking-Tools für Websites, die Scans des Codes messen. Diese werden dann aufbereitet und sind in einem Benutzerkonto abrufbar.

Secure-QR-Code

Mit diesem Code können verschlüsselte Daten übermittelt werden. Dabei kann auch nur ein Teil des Codes verschlüsselt werden. Dieser kann nur mit einem speziellen Lesegerät, das zudem noch den richtigen Schlüssel eingespeichert haben muss, gelesen werden. Die unverschlüsselten Bestandteile des Codes können weiterhin mit einem herkömmlichen QR-Code-Scanner abgerufen werden.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt

Der gängigste Anwendungsfall ist, auf ein Printmedium oder auch eine Verpackung einen QR-Code zu drucken, der zu einer Landingpage führt. Hier können zusätzliche Informationen bereitgestellt, Angebote gemacht und Vertrauen aufgebaut werden, um den Besucher zu Kontaktaufnahme oder Kauf zu animieren.

Pizza mit QR-Code

Doch warum muss es immer nur Papier sein? Theoretisch eignet sich Alles, was bedruckt werden kann. Eine kreative Aktion, um Mitarbeiter zu gewinnen, startete eine Werbeagentur aus Hamburg: Sie kooperierte mit einem Pizza-Lieferdienst. Dieser lieferte bei jeder Pizzabestellung, die nach 18 Uhr von einer Konkurrenzagentur einging, gratis eine „Pizza Digitale“ mit. Auf diese Pizza wurde mit Tomatensoße ein QR-Code aufgebracht und dann gebacken. Die vierwöchige Aktion war erfolgreich: Zwölf Bewerbungsgespräche und zwei neue Teams für die Agentur.

Fehler vermeiden

In Japan sind QR-Codes allgegenwärtig (Bildquelle: Nicolas1981)

Doch eine kreative Idee will vernünftig umgesetzt sein. Damit die eigene Werbekampagne auch gelingt, helfen folgende sieben Tipps:

  • die Ziel-URL muss für Mobilgeräte optimiert sein: Es klingt banal, doch ist wohl das Allerwichtigste: Wenn die Landingpage auf dem Gerät des Besuchers nicht vernünftig dargestellt wird, ist die Aussicht auf Erfolg gering.
  • In der Kürze liegt die Würze: Die im Code hinterlegten Informationen sollten nicht länger als 300 Zeichen lang sein, so kommen auch QR-Code-Reader auf älteren Endgeräten damit klar.
  • Mehrwert bieten: Ein QR-Code lohnt sich nur, wenn sich auch tatsächlich ergänzende Informationen mit Mehrwert dahinter verbergen.
  • Code zunächst selbst ausprobieren: Auch wenn sich so ein Code einfach generieren lässt, ist es unerlässlich, diesen vorab zu testen, um böse Überaschungen zu vermeiden.
  • Codes im Auge behalten: Führt ein Code zu einer bestimmten Landingpage, darf diese nicht einfach verschoben werden. Das macht den Code unbrauchbar. Entweder eine entsprechende Umleitung zur neuen Landingpage einrichten oder gleich einen dynamischen QR-Code einsetzen und diesen anpassen.
  • Gute Lesbarkeit und Platzierung des QR-Codes: Der Code sollte eine ausreichende Größe haben (mind. 2 x 2cm), dass er überhaupt wahrgenommen wird und vom Scanner vernünftig eingelesen werden kann. Hierfür sollte er einen guten Kontrast aufweisen (ideal ist schwarzer Code auf weißem Grund)
  • Das Abscannen schmackhaft machen: Einerseits kann man die natürliche Neugier des Menschen ausnutzen und hoffen, dass der Code auch so gescannt wird. Doch ein kurzer Hinweis, was sich hinter dem QR-Code verbirgt (Scannen Sie hier, um uns auf Facebook zu besuchen…o. ä.) schafft Klarheit. Noch weiter kann man das treiben, indem man gleich einen konkreten Nutzen bietet (Hier Scannen um 5% Rabatt zu erhalten… o.ä.)

Fazit

Wo Licht ist, ist auch Schatten: QR-Codes wurden auch schon missbraucht, um Besucher auf schädliche Seiten zu locken oder Schadsoftware auf dem Smartphone zu installieren. Schließlich sieht man dem Code nicht an, was sich dahinter verbirgt. Vorsichtig sollte man sein, wenn beispielsweise an öffentlichen Plakatwänden ein vorhandener mit einem neuen QR-Code überklebt wurde. Die neuen QR-Code-Reader bieten etwas mehr Sicherheit, da sie die URL zunächst anzeigen und diese nicht sofort aufrufen. Abhilfe schafft hier am ehesten noch die Verwendung des Secure-QR-Codes.

In Europa hat sich der QR-Code inzwischen ebenfalls etabliert. Man findet ihn auf Produktverpackungen, Flyern, Werbetafeln und Denkmälern. Auf Grund der hohen Fehlertoleranz können alle möglichen Objekte mit einem QR-Code bedruckt werden. Sie werden auch gerne gescannt, und sei es (zunächst) nur aus Neugier. Es kann ein Bogen zwischen Print und Web gespannt werden. Mit einer pfiffigen Idee können so aus Interessenten echte Kunden werden.