Website mit oder ohne CMS? Es kommt darauf an…

Inzwischen gibt es viele gute Open-Source Content Management Systeme wie WordPress und Joomla. Diese lassen sich verhältnismäßig leicht installieren, einrichten und bedienen. Viele professionelle Webdesigner und Agenturen haben sich daher auf ein oder mehrere CMS spezialisiert und werden den Interessenten eben diese auch empfehlen.

Hier gerät manchmal in Vergessenheit, dass man auch eine handprogrammierte Website aus HTML und CSS in Erwägung ziehen könnte. In manchen Fällen hat der Kunde daran mehr Freude und weniger Kosten.

Zunächst stelle ich die aus meiner Sicht größten Unterschiede zwischen einer Website ohne CMS und einer Website mit CMS anhand einiger wichtiger Merkmale vor. Danach gehe ich darauf ein, welche Faktoren bei der Entscheidungsfindung wichtig sind.

Gestaltung

ohne CMS

Was das Gestalterische betrifft, ist alles möglich. Allerdings ist man an gewisse Konventionen gebunden, die sich im Netz etabliert haben und benutzerfreundlich sind. Das Logo z. B. findet man üblicherweise im Kopfbereich der Website und Besucher sind es gewohnt, dass sie wieder zur Startseite kommen, wenn sie darauf klicken. Trotz aller Freiheit sollte nicht zu sehr von solchen inoffiziellen Regeln abgewichen werden.

mit CMS

Gewisse Vorgaben des Systems müssen hierbei berücksichtigt werden. Man sollte sich an diese Gegebenheiten halten, um unverhältnismäßige Mehrkosten und späteren Ärger bei Updates zu vermeiden.

Wartung

ohne CMS

Eine Website, die nur aus HTML- und CSS-Code besteht, kann für lange Zeit unbeaufsichtigt im Web belassen werden, da jeder alte und auch zukünftige Browser diese Sprachen versteht. Sofern keine inhaltlichen Änderungen vorgenommen werden sollen, ist der Wartungsaufwand gleich null.

mit CMS

CMS basieren meist auf PHP und sind auf regelmäßige Updates angewiesen. Wenn die Browser sich weiterentwickeln und das System nicht aktualisiert wird, können PHP-Fehlermeldungen im sichtbaren Bereich auftauchen oder Teile des Systems nicht mehr richtig funktionieren.

Sicherheit

ohne CMS

Bei HTML und CSS besteht kein Angriffspunkt für Hacker. Solche handgemachten Websites bieten auch kaum Daten, die Hacker abgreifen könnten. Angreifer haben es meist auf Datenbanken und große Systeme abgesehen.

mit CMS

Da ein CMS aus sehr viel mehr Code besteht und die Daten in einer Datenbank gesammelt werden, bietet es naturgemäß mehr Angriffsfläche. Beliebte CMS werden regelmäßig Opfer von Hackerangriffen, da sie weit verbreitet sind und daher groß angelegte Angriffe gestartet werden können. Updates sind aus Sicherheitsgründen immer nötig, auch wenn sich am eigentlichen Inhalt garnichts verändert hat.

Servervoraussetzungen

ohne CMS

Für eine Website ohne CMS genügt üblicherweise das günstigste verfügbare Webpaket. Es wird keine Datenbank benötigt und der benötigte Speicherplatz ist im Vergleich zum CMS gering.

mit CMS

Ein CMS stellt gewisse Anforderungen an den Server. Meist wird eine halbwegs aktuelle php-Version und eine Datenbank verlangt. Für optimale Funktion sollte man auch die Konfiguration des Servers mit einer .htaccess Datei beeinflussen dürfen. Das ist auch heute noch nicht bei jedem Anbieter gestattet. Diese Anforderungen verursachen geringfügig höhere Fixkosten der Website.

Schnelligkeit

ohne CMS

Nichts ist schneller als HTML und CSS: Hauptsächlich, weil die Daten direkt vorliegen und kein System im Hintergrund mitläuft.

mit CMS

Die Geschwindigkeit wird beeinträchtigt, da die Daten oftmals erst aus der Datenbank vom Server abgerufen werden müssen. Die meisten CMS sind für die Masse ausgelegt und bringen häufig benötigte Funktionen wie Kontaktformular, Suchfunktion o. ä mit. Auch wenn man das nicht benutzt, wird es mitinstalliert und bläht das System auf.

Benutzerfreundlichkeit

ohne CMS

Es sind Kenntnisse in HTML erforderlich, um Inhalte zu erfassen und man muss in der Lage sein, geänderte Dateien per FTP auf den Server zu laden.

mit CMS

EDV-Kenntnisse reichen aus, um Inhalte zu erfassen. Je nach Komplexität des CMS muss man mit einer gewissen Einarbeitungszeit rechnen oder ein Extrabudget für eine Schulung bereithalten.

Funktionen und Erweiterbarkeit

ohne CMS

Jede Funktion wie Kontaktformular oder Suche muss gesondert eingebaut werden.

mit CMS

Die meisten CMS bringen von Haus aus die Grundfunktionen mit. Zudem gibt es zahlreiche Plugins, um das System für den eigenen Andwendungsfall auszubauen.

Wann ist ein CMS sinnvoll?

Es gibt viele entscheidende Faktoren, die bei der Wahl berücksichtigt werden sollten:

Wie oft wird die Website aktualisiert?

Je öfter Informationen veröffentlicht oder aktualisiert werden sollen, desto mehr lohnt sich ein CMS. Insbesondere auch, wenn mehrere Personen die Website betreuen sollen. Es ist benutzerfreundlicher und man kann auch spontan von jedem beliebigen Computer aus Änderungen durchführen. Bei manchen CMS ist mittlerweile auch schon das Backend für mobile Endgeräte optimiert.

Das gilt ebenso, wenn die Websitepflege von einem Profi übernommen wird. Das Argument, dass ein CMS von Laien besser gepflegt werden kann, ist nur eines von vielen. Auch mit vorhandenem Fachwissen ist ein CMS bei häufigen Änderungen effizienter. Denn bei einer Website ohne CMS benötigt man nicht nur HTML-Kenntnisse, sondern muss zunächst die geänderten Dateien mit einem FTP-Programm hochladen. Das macht das Ganze schon etwas umständlicher und man kann nicht von jedem beliebigen Gerät aus daran arbeiten.

WordPress am beliebtesten für Corporate Blogs

Viele Unternehmen entscheiden sich mittlerweile für einen Corporate Blog als Marketinginstrument. Hier ist die Frage schnell beantwortet, ob die Website mit oder ohne CMS aufgebaut werden soll: Es eignet sich die beliebte Blogsoftware WordPress.

Das System bringt alle Funktionen mit: Man kann mit geringen Vorkenntnissen Blogbeiträge veröffentlichen und es können automatisch neueste oder beliebteste Beiträge angezeigt werden. Eine Kommentarfunktion und ein Archiv sind in der Grundinstallation ebenfalls dabei.

Diese Funktionalitäten von Hand einzurichten ist möglich, aber der Aufwand wäre wesentlich höher. Wenn das Blogsystem nicht mit unnötigen Plugins aufgebläht wird, bleibt es auch schlank.

Bei seltenen Änderungen Website ohne CMS effizienter

Doch nicht jedes Unternehmen hat die Zeit oder den Wunsch einen Corporate Blog zu betreuen. Soll die Website dazu dienen, das Unternehmen zu präsentieren und den Kunden Kontaktmöglichkeiten anzubieten, kann auch eine Website ohne CMS genügen. Es entfällt der Aufwand für die Updates des CMS-Systems. Diese müssen immer durchgeführt werden, ob sich nun am Inhalt was geändert hat oder nicht. Wenn der Inhalt der handgemachten Website angepasst werden muss, ist schnell ein Profi beauftragt, der das erledigt. Insgesamt wird der Wartungsaufwand (und somit Kostenaufwand) in diesem Fall bei einer Website ohne CMS geringer sein.

Fazit

Mit zunehmender Professionalisierung des Internets wachsen die Ansprüche der Kunden. Da liegt es nahe, die eigene Website von einem Profi erstellen und vielleicht auch später betreuen zu lassen. Bevor man sich an einen professionellen Webdesigner oder eine Agentur wendet, ist es hilfreich, sich vorab über Zielsetzung und Anforderungen an die neue Website klar zu werden.

Dabei sollte realistisch eingeschätzt werden, wie oft später tatsächlich Inhalte geändert werden sollen. Viele Unternehmen wünschen sich zu Recht, unabhängig von einem Dienstleister zu sein und wollen Ihre Inhalte selbst pflegen. Oft fehlt im Alltag dann doch die Zeit, sich mit dem System zu beschäftigen.

Bei kleinen Websites ist das Erstellen einer handgemachten Website zudem günstiger als ein System mit CMS. Egal ob man 5 oder 100 einzelne Seiten hat: Das CMS muss in jedem Fall installiert werden. Dieser Aufwand entfällt bei einer handgemachten Website, hier werden nur die tatsächlich benötigten Seiten erstellt.

Letztendlich muss jeder selbst enscheiden, ob eine Website mit oder ohne CMS besser für die eigenen Zwecke geeignet ist. Man sollte jedoch darauf achten, nicht mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.